Liebe Schreibende,
Erstmals habe ich ihn in Natalie Goldbergs Jahrhundertbuch „Writing down the bones“ (Schreiben in Cafés) wahrgenommen. Sie beschreibt darin, wie sehr es sie fasziniert und berührt, wenn Menschen das erste Mal in einen Schreibworkshop kommen und das freie Schreiben entdecken. Was da alles aufgeht: das Herz, der Geist, die Kreativität. Auch wir merken das in jedem einzelnen Writers´Tricks Workshop. Auch wir Trainer:innen sind – wie Natalie Goldberg – immer wieder berührt und lassen uns gerne anstecken vom Beginners Mind der Teilnehmer:innen. (Nächste Start-Termine für Writers Tricks per Zoom und in Wien 22.5., 31.7. und 3.10. Mach mit!)
Es braucht, so auch Natalie Goldberg, diesen Anfänger:innen-Geist immer wieder. Bei jedem Text, jedem Projekt, jedem Schritt im Leben. Was heißt das? Unvoreingenommen sein, offen zu sein für eine neue eigene Perspektive, für Ideen und Erkenntnisse, die einen auch aus dem Konzept werfen können, aus der ewigen gleichen Walze. Im Lernen bleiben! „Lernen heißt“, so sagte es Barbara Bartmann, meine weise Lehrerin und Miterfinderin unserer innovativen Ausbildung zur Schreibtrainer:in, „eigene Gewohnheiten in Frage zu stellen und zu verändern. Deswegen ist Widerstand gegen Lernen und Veränderung ist normal. Aber, nur wer sich dennoch öffnen kann für Neues, lernt, entwickelt sich, ist kreativ.“ Unsere Aufgabe als writers´studio ist es, seit über 20 Jahren, sichere und bestärkende Räume zu schaffen (in Zoom und in Wien), in denen sich der Geist, die Seele, ja selbst der Körper, der die schreibende Hand bewegt, öffnet für Neues, Überraschendes, auch Gefährliches, im Sinne von: noch nicht einzuordnen. Beginners Mind eben.
„Beginners Mind“ wird auch in Ba Ossege Workshop „Lets do HerStory“ trainiert: schauen wir mit frischem Blick auf Geschichten, wie sie über Frauen seit Jahrhunderten geschrieben wurden, Märchen, Mythen und Erzählungen aller Art. Drehen wir sie um, schreiben wir sie neu. Nehmen wir nichts als gegeben und unveränderbar an. Wir sind die, die schreibend Frau-sein definieren. Mach mit beim Zoom-Workshop, ab Mo, 5. Mai. Schnell anmelden!
Diesen Januar habe ich auf meine Jahrescollage das obige Foto geklebt, das ich in einer Lade wiederentdeckt habe. Ich hatte es in der Anfangszeit des writers´studio für Vorträge an der Uni Wien benutzt. In den frühen 2000er Jahren hielt ich Vorträge zum Thema „Diplomarbeit schreiben“, das Feld – innovative Schreiblehre an Unis – war noch ziemlich unbeackert. Viele in meinem Umfeld fragten mich damals: „Wer braucht so etwas überhaupt?“ „Wie soll das gehen?“ Doch ich erlebte jeden Tag in meiner Arbeit, wie offen Studierende, die mit ihren Abschlussarbeiten nicht weiterkamen, für neue Schreibstrategien und bestärkendes Feedback waren. Diese Vorträge waren ein Beginn für so Vieles!
Nun schaue ich auf dieses Bild aus den frühen 2000er Jahren, das nun auf meiner Jahrescollage von 2025 klebt. Das Foto mit 4 frames, aufgenommen mit einer analogen Lomo-Kamera, zeigt eine Frau, die eine Seifenblase in die Welt schickt. Wieso klebt es auf meiner Jahrescollage? Ich kehre zurück zum Beginners Mind – wir denken das writers´studio neu. Mehr dazu beim nächsten Mal! – es bleibt spannend.
Keep on writing, keep opening up your mind!
Judith
PS: Bau doch in deine Sommerplanung einen Präsenz-Workshop in unserem Schreibschlösschen am Wien-Fluss ein: Journal Writing (Juni), Collage Dream Writing zu den Ahninnen (Juli), Am Fluss- Beobachten & Schreiben (Juli), Writers Tricks (Juli/Aug.), Short Story (August), Life Writing (August), Young Freewriters (August), Roman schreiben (September)
PPS: Achtung: Am Mi, 7. Mai ist der erste Infoabend für den nächsten Durchlauf unser famosen Ausbildung zur Schreibtrainer:in (Start Okt.) Empowerment & Beginners Mind!
Aktuell im writers’studio Verein
1. Restplätze für Workshops & Retreats
- Let’s do HerStory! Überschreiben wir die Geschichten, die wir in uns tragen und schreiben, wie es uns gefällt. Start: 5. Mai
- Journal Writing– ein Schreibraum mit dir selbst. Start: 5. Juni
- Lust und Schmerz – Gefühle von Figuren beschreiben. Start: 14. Juni
- Autofiktion – Literarische Versuche zwischen Erlebtem und Erfundenem. Start: 3. Juli
- Collage Dream Writing zu den Ahn:innen – Eine SoulCollage®Reise zu Menschen, die dich im Leben inspirieren. Start: 6. Juli
- Am Wien-Fluss: Beobachten und Schreiben. Start: 11. Juli
- Young Freewriters Sommerkurs, Start: 25. August
- Life Writing – Schreiben als Werkzeug des Erinnerns und Reflektierens. Start: 27. Aug
- (Keine) Kinder kriegen, Start: 10. Sep
- Auf zum ersten Roman, Start: 11. Sep
- Ein Kinderbuch schreiben, Start: 10. Okt
Short Story -> siehe Institut
2. Kostenlose Infoabende des Vereins
3. Schreibtreffs
- Non-Fiction-Feedback-Gruppe – Im Motivations-Team zu fertigen Sachbüchern, Essays, Memoirs: Di, 6. Mai
- Schreib- und Feeback-Gruppe Text Sharing-Matinée – 1x im Monat am Sonntag > So, 18. Mai
- Write-in for members – Schreibtreff jeden 3. Donnerstag im Monat, nächster Termin: Do, 15. Mai
- Salon Margareten – jeden 2. Samstag im Monat > Sa, 10. Mai
Aktuell im Institut für Schreibkompetenz
Für alle Angebote sind Weiterbildungsförderungen möglich!
1. Restplätze
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken.
Start: 22. Mai, 31. Juli, 3. Oktober - Supervisionsgruppe Writing Teachers Club. Start: 28. April
- Magic Mindwriting – Freies Schreiben als geniale Methode des Selbstcoaching & der Ideenfindung. Start: 8. Mai
- KI für den Schreibprozess sinnvoll nutzen – KI-Tools, Prompts und Workflows. Start: Di, 3. Juni
- Für TIP Absolvent:innen: Wissenschaftliches Schreiben unterstützen. Start: 19. Juni
- Für TIP Absolvent:innen: Schreibseminare für Organisationen & Unternehmen. Start: 3. Juli
- Short Story – Wie entstehen Geschichten? Wie kann ich sie spannend erzählen? Start: 4. Aug
- Für TIP Absolvent:innen: Empowerment durch Creative Writing Tools. Start: 21. Aug
- Klar argumentieren – Die Leser:innen auf Denkwege mitnehmen. Start: Mi, 3. Sep
- Short Story – Wie entstehen Geschichten? Wie kann ich sie spannend erzählen? Start: 24. Sep
- Textfinish für Inky & the Brain – Leser:innenorientierung & Voice für knackige Texte. Start, Di, 30. Sep
2. Lehrgänge
- Workshop-Reihe Inky & the Brain – Komplexe Inhalte schreibend vermitteln für Expert:innen
3. Kostenlose Infoabende des Instituts
- Zoom-Infoabende zum Lehrgang Schreibtrainer:in werden (Start Herbst): Mi, 7. Mai und Mi, 11. Juni
Fotorechte: Judith Wolfsberger
zwischen dem 18. Februar und 4. April habe ich in meinem „Magic Idea“-Notizbuch 256 (!) Seiten (A5) geschrieben, gekritzelt und gemalt. Nun ist es voll. In sieben Wochen 256 Seiten Magic-Mindwriting, um mir klar zu werden, über ein paar große Fragen, die ich in mir wälze. Und nun nach 256 Seiten und einer Radfahrt in der österreichischen Wüste ist die Idee klar und mein Plan fortgeschritten. Es dreht sich um mein Buch und um das writers´studio. Die Frage ist, wie es weitergeht mit all dem. Und was meine eigene Antwort ist, auf die derzeitige Lage der Welt und meines Landes.
Vorige Woche bin ich für zwei Tage ins Burgenland gefahren, mit Schnellbahn, Rad und Minigepäck. Laptop, Magic Idea-Notizbuch und Füllfeder. Fuhr durch die weite, windige, wüstenartige Landschaft entlang des Neusiedlersees, gegen starken, kalten Wind, trotz Bewölkung und manchmal Nieselregen. „You are crazy“, dachte ich mir, die Fahrt zum Hotel dauerte drei Stunden statt eineinhalb. Anfangs blieb ich noch ein paar Mal stehen, wie geplant, und machte mir Notizen zum Buchkapitel, an dem ich gerade arbeite. Dann strampelte ich nur noch und murmelte Fragen vor mich hin über meine unbekannten Verwandten in Amerika, die ich im Archivmaterial ausgegraben habe. Im Hotel, in dem ich der einzige Gast war, fiel ich in tiefen Schlaf. Perfekt für MAGIG MINDWRITING. Sich selbst herausfordernde Fragen stellen, sich viel bewegen, gut und tief atmen, schreiben, wieder andere Fragen stellen, Weite erleben, tief schlafen, viel schreiben, begrenztes Alleinsein zur Fokussierung, schräge Fragen, freies Spiel der Antworten, Perspektivenwechsel, wieder gut schlafen, spaziergengehen, weiter schreiben im Magic Idea-Buch. Freien Gedankenflug, genau das brauchen wir.
im Januar bin ich zwei Mal grippal erkrankt und dazwischen habe ich mich um meinen ebenso erkankten Sohn gekümmert. Also alles mau! Alles fühlte sich diffus, energielos und vor allem ideenlos an. Ideenlos? Das ist das Schlimmste, finde ich. Nichts wie in die Wüste!
Ich hatte für eine Woche eine winzige Hütte in der „high desert“ in der Nähe des Joshua Tree National Parks gemietet. A homestead of ones own. Da gibt es kaum richtige Straßen, keine Straßenlaternen (wegen der Dark Sky Zone!) und die nächsten Nachbarn sind außer Sichtweite. Eine österreichische Freundin sagte: „Hast du da nicht Angst?“
Jeden Morgen gegen 5 Uhr, als es draußen noch völlig dunkel war, machte ich mir Tee, zündete wieder Kerzen an, legte wieder Musik auf und setzte mich zurück ins Bett zum
Mit doppeltem Anorak, mit Mütze & Kapuze gegen den sehr starken und kalten Wind, mit Sonnenbrille und zweifacher Kamera (Handy und Lomo-Analog) spazierte ich über die Sandwege, fotografierte andere winzige Wüstenhäuschen und die Yoshua-Trees, die aussehen wie Marsbewohnerinnen, die hallo sagen. Vor allem aber überlegte ich während des Gehens, wie und wo es in meinem
Wir freuen uns auf dich!
wir wollen heuer im Frühling Virginia Woolf spielen! Wir schreiben jetzt die Geschichte um, neu, anders. Virginia Woolf hat die Geschichte ihrer Freundin und zeitweiligen Geliebten Vita Sackville-West auf den Kopf gestellt, schräg, neu, spannend gemacht. Der Roman „Orlando“, den sie auch als „Biographie“ bezeichnet hat, erzählt die Geschichte eines Sohnes aus reichem adeligem Hause, der Jahrhunderte lang lebt. Irgendwann wird Orlando zur Frau. Immer will sie schreiben, immer will sie frei sein, immer will sie zu einer community of writers & adventurers dazugehören, statt fadisierte Adelige oder fadisierte Ehefrau zu sein.
Frappierend ähnlich sind die Geschichten von „Margarete von Tirol“ und Vita Sackville-West: beide wurden als einzige Nachkommen ihrer adeligen Eltern um ihre Erbschaft geprellt, weil sie Frauen waren. Das war die Urgeschichte, die Virginia Woolf dazu veranlasst hat „Orlando“ zu schreiben. Indem sie eine „Biographie“ schrieb,
vor einem Jahr habe ich auf meine Visionscollage (für 2024) spontan ein Foto und ein Zitat von Sophie Scholl, dem großen Idol meiner Jugend, geklebt. Sie ist als sehr junge Frau mit kurzem Haar zu sehen, etwa 1933, die in jeder Hand einen Medizinball hält und in die Ferne schaut. Das Zitat von ihr (vermutlich aus ihrem Tagebuch), das in der Zeitschrift neben dem Foto stand, lautete: „Die Brävste bin ich nicht. Die Schönste will ich gar nicht sein. Aber die Gescheiteste bin ich immer noch!“ Ich habe das ganze vorige Jahr nicht verstanden, warum ich dieses Bild und dieses Zitat für meine Collage ausgewählt hatte. Als ich vorige Woche einen jungen Supermarktangestellten sah, wie er in seiner Arbeitspause die Rede von H. Kickl am Handy in hoher Lautstärke anschaute und befriedigt nickte, war meine Kanzler Kickl-Schockstarre augenblicklich überwunden. Sophie Scholl tauchte vor mir auf, ihre Flugblätter, ihr wacher Geist, ihr Mut, ihre glasklare Voice! Ich musste, während ich mein Rad mit Einkäufen bepackte, noch eine Weile unfreiwillig Kickl zuhören und stellte mir vor, wie der junge Verkäufer und mit ihm so viele begeistert sein werden. Ich sah vor mir, wie Kickl sie mit seiner nun staatsmännischen Kreidestimme weiter um den Finger wickeln wird. Sie werden sagen: „Ach was, so ein Kanzler ist doch nicht so schlimm. Endlich passiert was.“
Wir müssen jetzt GENAU hinschauen, was da passiert und „LAUT schreiben“ (wie eine Teilnehmerin es unlängst formulierte). Und wir müssen immer mehr junge Menschen dazu befähigen, verführerische Kreidestimmen zu lesen und stark zu schreiben! Ja, Lesen und Schreiben sind politische Kompetenzen.
dies ist kein Weihnachtsgruß, auch wenn ich euch sehr erholsame Feiertage wünsche. Dies ist vielleicht ein Anti-Weihnachtsgruß. Unpassend, aber wichtig.
1. Ich freue mich sehr, wenn du noch in mein
3. Am 6. Januar startet wieder
schwierige Zeiten sind das. Was Amerika betrifft, schwanke ich zwischen: vor Schock die Decke über den Kopf ziehen und ungeduldigem Warten auf komplexe Antworten und Strategien. Immer ist mir mein Abo der Wochenzeitschrift
Ja, wir müssen, wollen, sollen hundert oder tausend Geschichten schreiben. Komplexe Themen und Fachwissen gut verständlich und ohne an Tiefe zu verlieren, schriftlich zu formulieren, ist zutiefst demokratisch, sagt Irene Steindl im nachfolgenden Gespräch über unsere neue Workshop-Serie
Irene Steindl: Ich arbeite gerne mit Wissenschaftler:innen und Fachexpert:innen, weil sie jede Menge spannendes Wissen mitbringen. Manchmal gelingt es nur schwer, dieses Wissen verständlich einem breiten Publikum zu vermitteln. Das kann ich ihnen nicht verdenken: Wer sich tagein, tagaus in einer bestimmten Sprache und Gedankenwelt bewegt, nimmt sein Wissen für selbstverständlich. Außerhalb der Fachwelt brauchen wir jedoch eine andere Sprache, eine konkrete und lebendige.
Was macht das writers´studio anders? Was unterscheidet unsere Art, Schreiben zu fördern, von vielen anderen Anbietern? So manche Teilnehmer:innen, die zuvor in diversen literarischen Schmieden im deutschsprachigen Raum ihr Glück versucht haben, erzählen uns, wie erleichtert sie sind, sich im writers´studio endlich mal nicht vor kränkender Kritik wappnen zu müssen. Oft höre ich Sätze wie: „Eure Art, mit Texten der Teilnehmer:innen umzugehen, Feedback zu geben, tut so unendlich gut. Da finde ich (wieder) Freude und Mut, um weiterzuschreiben.“
Im deutschsprachigen Raum wird oft etwas „Feedback“ genannt, was eigentlich Holzhammerkritik ist. Um uns davon zu unterscheiden, haben wir nun lange vom „Friendly Feedback“ gesprochen. Unsere radikal stärkenorientierte Art, auf Texte, die im Entstehen sind, zu „antworten“ kommt, wie all unsere Methoden, aus dem angloamerikanischen Raum. Peter Elbow und Pat Belanoff nennen es „Sharing & Responding“. Dies tut allen Texten und allen Schreibennde
Uiuiui… was, wenn H. Kickl (HK) österreichischer Bundeskanzler wird und Kamala Harris (KH) amerikanische Präsidentin? Dann wandere ich aus. Setz mich wie in diesem Sommer in die
ich bin noch ein bisschen in der Jetlag-Wolke. Der Vorteil daran ist, dass ich länger Zeit habe, New York Revue passieren zu lassen. Ich könnte viele Blog-Mails mit meinen Erfahrungen in diesen zweieinhalb Wochen dort füllen, so schräg, so cool, so kreativ waren sie.* Aber jetzt möchte ich euch mal schnell UND herzlich zu unserem